Namibia
(8.- 29.12.2017)

Anreise

Wenn einer eine Reise tut...! Endlich wieder ein spannender Trip zum greifen nahe. Die Aufbruchstimmung schwappt über und wir hoffen, die Freude unsers kleinen Reisegefährten wird anhalten.

08.12.2017

Einreise

Windhoek

 

Nach rund 10 Stunden Flug schweben wir immer tiefer über der Steppe rund um Windhoek, der Wind lässt die Maschine schwanken. Unser Sohn hat die Nacht mit Bravour gemeistert - und die Wahl der Billigfluglinie German Wings hat sich auch gelohnt. Der Flieger war halb voll und wir hatten eine Front-Seat-Row (ohne danach zu fragen kam ein Mitarbeiter in Köln auf uns zu und hat uns neue Tickets übergeben!!) für uns ganz alleine. Klasse Service!

Das von zwei im Namib-Wüstensand stehende Oryxantilopen (Stolz, Mut, Eleganz) gehaltene
Wappenschild steht seit 1990 für Namibia - erst dann wurde es eine unabhändige Nation.
Der Schreiseeadler steht für den Norden Namibias und dessen Wasserressourcen und
darunter die Pflanze Welwitschia mirabilis, eine der ältesten Pflanzen der Welt.

Beim Verlassen des Flugzeugs schlägt einem der Temperaturunterschied von 6 Grad in Köln zu rund 30 Grad in Windhoek ins Gesicht - aber sehr angenehm! Man geht zu Fuss über das Rollfeld, ein Kordon von
Flughafenmitarbeitern weist einem den Weg. Immigration und Gepackabwicklung ist schnell gemacht - dank unserem Kleinkind konnten wir aber von einer Vorzugsbehandlung profitieren und müssen keine 10 Minuten warten. Schnell noch Geld wechseln, dann SIM Karte kaufen und der Transfer zu Bushlore, der Auto-Vermietung klappt auch reibungslos.

Wer immer etwas für Toyota Landcruiser übrig hat, der bekommt hier wässrige Augen! Hier fahren sie in allen Formen, Varianten und Altersklassen herum. Und bei der Rentalstation sind sicher rund 20 der Karossen geparkt - wartend auf Sand, Dünen und Camperfreunde!! Wie traurig hat das Kapitel Landcruiser und Landrover im 2016 einen Abschluss bekommen, sie dürfen nicht mehr in die Schweiz importiert werden. A shame!

Landcruiser Paradise!


Die Fahrzeugübernahme und Einführung bei Bushlore ist einwandfrei. Es hilft natürlich auch,
wenn man die Gerätschaft und ein paar Details schon kennt. Hi-Lift - Erinnerungen an
einen kräftigen Kinnhaken werden wach.

Die Fahrzeugübernahme ist gründlich und die Einweisung umfassend. Sie dauert etwas länger weil doch hier und dort noch ein Bolzen, eine Lasche oder ein paar Schrauben fehlten. Und ausgerechnete die einzige KFZ Steckdose im Fahrzeug hat nicht funktioniert. Aber ansonsten ist der Toyota Hilux (2.4 GD 6, 4x4) in prima Zustand, die Reifen noch hochwertig und wenige Kratzer und Beulen wurden identifiziert.
Alles fein sauber dokumentiert, das Gepäck grob eingepufft (Himmel, wohin sollen wir mit all dem Kram?!) und los geht's, mit eingestellten Scheibenwischer (weil da ja sonst der Hebel für die Blinker ist) und mit Linksverkehr eingefädelt. Wir steuern direkt da Guesthouse Violet an und machen uns nach dem langen Flug keinen Stress mehr. Einkaufen dann morgen, jetzt erstmals mit dem Kleinen spielen und beginnen Auto ein zu puffen.

Ein leckeres Mahl bei Joes Beer House, eine letzte Nacht in einem Zimmer - es kann losgehen!

Joes Beerhouse: Ein wildes Sammelsurium von ausgestopften Tierköpfen bis hin zum
von gestrandeten Reisenden geschenkten Mini - sagen wir sehr reich dekoriert oder
ein bisschen Abgefahren (Quelle: http://www.joesbeerhouse.com/gallery)


09.12.2017

Stampriet

Kalahari Farmhouse

Einmal noch richtig frühstücken im Guesthouse, eine ordentliches Badezimmer geniessen und dann heisst es beladen des Wagens - was bei den beengten Platzverhältnissen eher eine Herausforderung ist. Zwei Schubladen und ein "Reduit" wo Kompressor, Ersatzrad und sonst noch diverses Material vom Fahrzeug liegt. Und natürlich, wie das so ist, kaum verstaut weiss man schon nicht mehr, wo was ist. Dann beginnt die Sucherei. Wir vermissen wir unseren Landcruiser zum ersten Mal - da hat doch alles seinen Platz.

Ein den Verkehr einfädeln geht einwandfrei und der Bedienhebel für den Blinker ist auch heute noch auf der falschen Seite, so bleiben auch die Scheiben sicher immer sauber. Die Regeln sind einfach: Der erste der an die Kreuzung fährt hat Vortritt, sofern es keine Ampeln gibt.

Zuerst ist Einkauf angesagt: "Kalahari Meat Supplies" bietet viel Biltong, Lambchops, Käsewurst und Droewors. Danach in den "Cymot" wo jedem Camper/Outdoorfan das Herz höher schlägt. Von Padlocks bis zu Bullbars gibts hier einfach alles. Und letztendlich noch in den "Superspar" um die Grundversorgung sicher zu stellen. Ok, vielleicht ein bisschen mehr als nur das. Dumm nur, wohin mit all dem Kram? Der Kühlschrank ist gefüllt und den Rest einfach mal ins Heck stellen. Langsam Zeit weg zu kommen.

Noch tanken und den verunsicherten Tankwart beruhigen, dass der Wagen tatsächlich so viel schluckt wegen einem Zusatztank. Das müsste nun für rund 1000km ausreichen. Und dann mit Kreditkarte bezahlen. Fast wie zu Hause.

Die nächsten 200km sehen in etwa so aus: Piste geradeaus, flach, blauer Himmel.

Kaum losgefahren werden die Augen von unserem Sohn schwer und er schläft ein. Er verpasst wie wir nach ca. 60km auf die Gravelroad abbiegen, auf welcher wir die nächsten rund 200km fahren werden. Eine flache Landschaft gleitet an uns vorbei, einzelne Bäume und Büsche säumen die Strasse. Wir sehen erstmals Ureinwohner: Kudus, Erdmännchen, Warzenschweine, Affen und natürlich Ziegen und Kühe. Zudem Haufenweise der riesigen Vogelnester, die in ganzen Komunen in dem Geäst wohnen. Es ist angenehm warm und am Horizont sieht man Regenwolken, welche auch uns noch kurz streifen. Da geht man nach Afrika und hier kann es doch tatsächlich auch regnen...

So hausen die Siedelweber in Kommunen, in sicherer Distanz zum
Boden und den Jägern die nicht klettern können.

Bei einem Verpflegungshalt kann unser Sohn nach Herzenslust im Sand spielen, der erst noch angenehm warm ist. Mit seinem neuen Bagger leistet er einen Beitrag zum hiesigen Strassenunterhalt. Er ist guter Laune und zeigt keine Anzeichen von Langeweile oder dass er genug hätte von der Fahrt. Auch beim Einsteigen passiert das ohne Wiederstand - wir sind froh hat er trotz der Vibrationen und dem Geschaukel fast 2 Stunden geschlafen hat.

Unser temporärer Reisegefährte: Ein Toyota Hilux 2.4D, Double Cab mit Aufbauvon AluCab.

Sand überall - und erst noch auf rund 35°C vorgewärmt, da vergisst man schnell
die Strapazen der Piste.

Und dann kommt die unübersehbare Warnung, dass selbst eine gerade Gravelroad gefährlich und die sogenannten "Roll-Over" nicht ein Ammenmärchen sind. Ein PW liegt upside down neben der Piste, der Unfall muss aber schon ein paar Stunden her sein. Ein Pannenfahrzeug wird das Wrack gleich aufrichten und abtransportieren. Wenn es eine PW so leicht überschlägt, wie wenig braucht es dann für einen 4x4 wie den Unseren?

Insgesamt standen ca. 280km auf dem Fahrplan bis wir im "Kalahari Farmhouse" eintreffen sollten. Wir sind beim Eintreffen die einizigen Gäste auf dem Camping, welcher sehr einladend ist. Am Horizont ist es Dunkel, als ob es gleich Katzen hageln wird aber wir scheinen verschont zu werden für heute. Etwas spät dran und jetzt noch mit der neuen Küche zurecht kommen ist für unseren Sohn eine weitere Geduldsprobe - und da wir das Fahrzeug erst nach dem Essen für die Nacht richten können freuen sich die Mücken über ausreichend Zeit, all die vielen Nischen im Fahrzeug zu erkunden und gute Verstecke für die Nacht zu scouten. Sie werden alle den Tod des neuen "Mücken-Rackets" sterben, welches sie unerbittlich röstet. Das wissen sie zu dem Zeitpunkt noch nicht. Draussen sitzen zu bleiben macht wenig Freude, das Licht zieht allerlei Kleingetier an - und die rund 12mm langen Ameisen laden ebenfalls nicht zum gemütlichen Verweilen im Freien ein. Zeit, sich in die (enge) Kabine zurück zu ziehen.

Hübsche Campsite - ganz für uns alleine.

Dunkle Woklen am Himmel - heute hat es bereits geregnet, nur gut bleiben wir
heute davon verschont.


10.12.2017

Sesriem

Heute stehen ca. 360km auf dem Programm. Dabei werden wir aus der östlichen Richtung praktisch quer durchs Land in Richtung Westen fahren. Somit verlassen wir die Kalahari Wüste (nach der Sahara und der Gobi Wüste die Drittgrösste), die von Botswana her in Namibia ausläuft und fahren über das zentrale Plateau in die Namib-Wüste, welche sich der gesamten atlantische Küste von Namibia entlag zieht. Wie es der Name sagt, gibt diese Wüste auch den Namen für das Land.

Die Landschaft verändert sich in regelmässigen Abständen und ist alles andere als nur einfach wüst. Allerdings lebt hier auch nicht sehr viel und die wenigen Siedlungen unterwegs sind entweder wie ausgestorben weil Sonntag ist oder die Menschen halten sich bei den Temperaturen nicht im Freien auf. Auch die Tiere sind rar, vereinzelt sehen wir Gazellen oder Wiesel.


Na dann, erstmal ein Stück geradeaus!

So passieren wir Mariental und steuern Maltahöhe an, wo wir uns ein Mittagessen gönnen. Bei der sengenden Hitze ist die schattige Terrasse ein Segen und wir bestellen Oshithima and Game Stew (Kudu-Eintopf mit sowas wie Porridge aus Perlhirse). Das Essen ist lekker (Afrikaans) und wir lassen uns Zeit bevor es weiter geht.

Da ab jetzt nur noch Gravelroads anstehen reduzieren wir den Reifendruck auf knapp 2 bar um so auch ein tieferes Risiko von aufgeschlitzten Reifen zu fahren. Die Pisten sind gut und 80km/h problemlos machbar, so kommt das Ziel auch näher.

Etwa auf halber Strecke zwischen Maltahöhe und Sesriem liegt der Zarishoogthe Pass. Nicht besonders hoch wie der Name hoffen lässt aber nicht weniger attraktiv deswegen. Wir proben hier mit unserer Go-Pro Kamera den Einsatz und müssen erst wieder erlernen, wie die kleine Kamera tickt. Man taucht über eine steile Strasse tief in ein Tal ein und fährt dem Talboden entlang. Eine wunderschöne Strecke.

Irgendwo da vorne verschwindet dann plötzlich die Strasse in einem Tal...

... des Zarishoogthe Passes.

Es herrscht viel Verkehr. Sicher 5 Autos in der letzten halben Stunde. Und jetzt müssen wir hinter so einem Tourist herfahren und der Wind bläst den ganzen Staub in unsere Richtung. Also rechts ausscheeren und im Blindflug an ihm vorbei - gut sieht man anhand der Staubschleppe schon von sehr weitem her, ob irgendwo ein Auto kommt, es bleibt also Zeit zum Überholen.

Die letzten 20km strapazieren noch etwas unsere Nerven, die Wellblechstruktur ist ziemlich unangenehm. Und für unseren Kleinen ist es auch langsam genug, er ist nur noch schwer zu entertainen.
Kaum rollt man aber in die Campsite fällt der Druck ab und man freut sich auf den kühlen Pool. Den haben wir nun alle nötig, bläst einem hier doch ein heisser Wind bei Temperaturen um die 40°C im Schatten ins Gesicht. Wir hoffen inständig auf eine Abkühlung in der Nacht und ein feines Lüftchen - aber erst muss nach dem Sonnenuntergang noch dieser heisse Wind abstellen. Beides trifft ein wie erhofft und die Temperatur sinkt bis auf ca. 18°C ab.

Campsite in Sesriem...

... das sieht doch schon fast wohnlich aus.

Alles cool!

Der Camping-Shop löst auch gleich noch zwei Akute Probleme: Wir kaufen nun doch auch noch Streichhölzer (wie kann man sowas vergessen) und kühles Bier (wo war nur mein Kopf beim Einkaufen!). Wir sind wohl etwas aus der Übung gekommen, dass wir an sowas nicht früher gedacht haben.

Gegen Abend setzt in der Regel ein dritter Schub von Fahrzeugbewegungen ein. Der erste ist am Morgen um 05:00 Uhr. Alles will auf die Dünen für den Sonnenaufgang. Dann um 10:00 Uhr Rückkehrende und Abreisende. Dann um 16-17:00 Uhr die Neuankömmlinge und Sundowner-Seeker. Wir lassen es erst mal gut sein für heute. Und machen uns über Bohneneintopf her.

Die Farben im späten Tageslicht sind kräftig und warm, ein schöner Ausklang.

Zumindest bis der Wind aus einer anderen Seite angreift scheint alles ok. Dann schüttelt es unser Heim teilweise kräftig, wir stehen voll mit der Seite zum Wind und bieten eine gute Angriffsfläche. Nobody is perfect, das konnten wir nicht abschätzen.

11.12.2017

Sesriem

Der Morgen ist ersatzlos zu streichen. Um 4 Uhr donnern alle in Richtung Dünen, um möglichst den Sonnenaufgang vom Grat einer der höchsten zu geniessen - oder war es doch 5 Uhr und einfach unser Wecker falsch gestellt? Klar: Noch EU Zeitzone. Das kommt vom Flugmodus, der seit der Landung noch immer eingeschaltet ist. Wir wollten auch vorne dabei sein und sind nun eine Stunde zu spät. Dann verbrüht frisch gekochter Kaffee das Gesicht des eh schon schlecht gelaunten Fahrers - und er muss sich noch einen Muntermacher brauen. Nicht gut.

Einsam und alleine fahren wir die 60km in Richtung Sanddünen. Wir stellen dabei aber fest, dass das Timing gar nicht so schlecht ist, will man nicht auf die Dünen. Und das haben wir mit 10kg Kleinkind auf dem Rücken nicht im Sinn. Zudem konnten wir in der Mongolei das Feeling eine 300m Düne zu erklimmen schon geniessen, nur waren wir die einzigen Menschen im ganzen Dünenfeld. Irgendwie entspannt so ohne "Leistungsdruck".

Wir haben uns auch wegen einem Ballonflug erkundigt, nur ist es nicht zulässig ein Kleinkind mit in den Korb zu nehmen. Und den Vorschlag, Lio solange durch fremde Personen betreuen zu lassen haben wir dankend aber bestimmt abgelehnt. Das wollen wir ihm nicht antun, spürt man doch sehr deutlich wie sehr er uns immer um sich herum wissen muss. Die Reise ist für ihn eine grosse Herausforderung und die einzige Sicherheit die er hat, ist Mama und Papa.

Ein Strauss - wohin des Weges?

Die Morgensonne lässt immer noch kräftige Farben zu, unterstreicht die
Schönheit der Landschaft...

... aber lässt keinen Zweifel zu: Heute wird es hier wieder sehr heiss!

Die Dünen sind wunderschön, messerscharfe Kanten, starke Kontraste vom Schattenwurf. Ein Strauss geht zielstrebig in Richtung ... schwer zu sagen. Sieht etwas verloren aus. Die Strasse ist bis auf die letzten 3km geteert. Und darauf freut sich natürlich der 4x4 Reisende:3km Sandstrecke (leider nur 3km). Mit Schwung reinfahren und Leistung im Triebwerk halten. Herrlich, wie der Wagen gleitet. Und dann kommt da linkerhand der erste Oryx nahe bei uns zum Vorschein. Der Reflex nimmt den Fuss vom Gas, der Wagen sinkt augenblicklich ein, bleibt stehen. Das darf doch nicht wahr sein: Keine 200m im Sand und dann sowas! Mit Untersetzung und viel Gas, mit Vorwärts und Rückwärtswiegeln kommt der Wagen aber wieder frei und es geht weiter - mit einem schönen close-up Foto auf dem Chip.

Achtung Oryx - beinahe eingesandet wegen dieser Begegnung...

Wir kommen im Dead Vlei an und folgen dem Strom von Menschen zur Pfanne mit den abgestorbenen Bäumen. Doch noch mehr sind auf dem Rückweg - bis wir ca. 45 Minuten später die letzten sind, die diesen faszinierenden Ort wieder verlassen. Die letzten werden die ersten sein - die wieder ein Bild wie in der Broschüre schiessen können. Menschenleer. Unser Sohnemann verschläft die meiste Zeit in der Trage auf dem Rücken und verzückt jeden, der uns begegnet. Natürlich wollen alle auch so transportiert werden... Es ist so um die 40 Grad im Schatten, man kann es ihnen nicht übel nehmen (aber viele haben auch ausgesprochen ungeeignetes Schuhwerk an).

Dead Vlei, wie man es auf all den Fotos von anderen Touristen auch sieht.
Aber deswegen nicht weniger faszinierend!

Ein Selfie gehört dazu, nur einer hier im Bild interessiert das
wenig - der schläft einfach bei dieser Hitze!

Im Schatten eines Baumes gibt es Frühstück, wir teilen es grosszügig mit den Spatzen, die uns belagern. Das ist eine prima Unterhaltung für unseren Kleinen. Das Sossus Vlei ein paar hundert Meter ist eine weitere der oft erklommenen Dünen - wir hätten sie für uns alleine aber wegen Hitze und 10kg Ballast beschränken wir uns auf die optischen Reize. Im Guidebuch steht was von einer Stunde, die man rechnen sollte, das tun wir uns nicht an.

Fazit: Es muss nicht 5 Uhr morgen sein um die Einsamkeit der Dünen zu erleben.

Auf der Rückfahrt fahren wir an Herden von Büffeln und Gazellen vorbei, die unter den Bäumen des Campingplatzes Schatten suchen. Das werden wir nun auch tun. Zeit für eine Siesta. Damit kommen wir an unsere Grenzen - bei 40°C im Schatten ist kaum an einen Mittagsschlaf für unseren Sohn zu denken. Nur braucht er den dringend. Wie kühlen wenn AC vom Auto nicht in Frage kommt? Erst nach langem kämpfen findet er Ruhe. Kühlung verschaffen nasse Frottiertücher in den offenen Luken des Dachzelts, Wasserzerstäuber und feuchte Nuschis (Spucktücher) auf dem bis auf die Windeln entkleidetem Körper - Kühlung durch Dissipationsenergie (Verdungstungsvorgang). Ein nasses T-Shirt verschafft übrigens auch für Erwachsene Kühlung. Ein Sprung in den Pool ist auch wirksam - für unseren Sohn haben wir aber ein Mini-Planschbecken dabei, sodass er in 50x50cm bei mit nur einem Eimer Wasser herrlich Spass hat. Dekadent aber schön. Gut wird es sobald die Sonne untergeht angehem warm und kühlt in der Nacht weiter ab auf 18°C ab. So müssen wir uns wenigstens nicht um die Nacht Sorgen machen.

Ein Abstecher in den faszinierenden Canyon keine 5 Minuten Fahrstrecke vom Camp entfernt lohnt sich. Nur sucht man vergebens nach einem Felsmassiv oder so, wo ein Canyon zu erwarten wäre. Der natürlich ausgetrocknete Fluss frass sich bis zu 30 Meter in die felsige Ebene und hinterliess eine spannende Kluft, die gut zu begehen ist. Man könnte es doch glatt übersehen.

Ein mächtiger Fluss hat den Sesriem Canyon einfach in die weite Ebene
gefressen - bis zu 30m Tief in den Boden.

Aber eben, der Fluss war schon länger nicht mehr hier...

 

12.12.2017

Solitaire

Rostock Ritz

 

Um 05:00 Uhr das übliche Motorgedröhn von allen, die möglichst die ersten in den Dünen sein wollen aber diesmal eilt es für uns nicht. Einmal umdrehen und weiterschlafen. Gemütlich eine warme Dusche geniessen, in aller Ruhe frühstücken und dann zusammenpacken um das nächste Ziel anzusteuern.

Bis alles verpackt ist spielt unser kleiner Bub im Sandkasten aller Sandkästen bis er sich einen fiesen Dorn im Fuss einfängt und die Freude vorerst getrübt ist. Aber er erholt sich rasch und spielt weiter bis er die kleine Lache unter dem Wasserhahn entdeckt und sich in das kühle Nass setzt. Wie die Kleider danach aussehen braucht keine weiteren Schilderungen, daher kommt zum Zusammenpacken noch ein Kleider/Windelwechsel hinzu.

Leider kann uns die Frau bei der Reception nicht sagen, ob eine Piste wo auf der Karte "permit" draufsteht mit unserem Permit befahren werden darf - ist ja auch eine Strasse, die rund 1km von der Reception entfernt ihren Anfang hat. Wer weiss den schon sowas. So machen wir es wir die übrigen und rattern über die reguläre Piste in Richtung Solitaire.

Unterwegs treffen wir das übliche Getier an und erstmals ganz in der Ferne Zebras. Schon irgendwie komisch die in einer Herde da draussen zu sehen. Die Landschaft ist herrlich und ziemlich so, wie wir es von Afrika erwarten würden. Vereinzelte Bäume und Sträucher, Steppenlandschaft, karg und trocken.
Hie und da auch eine Lodge.

Endlose Weite, schnurgerade Pisten.

Solitaire ist eigentlich eher eine Raststätte als ein Ort - aber publikumsattraktiv haben sie viele verrottete Oldtimer davor im Sand aufgebahrt, einen Bakery Shop mit leckerem Kaffee und einem Restaurant mit ebenso leckerem Burger hingestellt. Das lädt doch zum Verweilen ein und entsprechend viele Touris halten an. Für unseren Sohn ist es höchste Zeit - er hat Hunger und Bewegungsdrang, danach muss es schnell gehen damit er schlafen kann. Die Oldtimer faszinieren ihn und erfordern gründliche Inspektion - der Radnaben. Wie immer. Er macht das unglaublich gut, kaum im Kindersitz schläft er schon und lässt sich durch die schlechte Piste nicht von seinem Schlaf abhalten.

Eyecatcher, clever in Szene gesetzt. Da muss man einfach anhalten und einen Kaffee trinken...

Aber da fehlen doch die Räder?

Das gäbe einen schönen Hot-Rod!

Rostock Ritz ist wie so manche Lodge am Anfang nur mal ein Gate entlang der Strasse und dann fährt man nochmals rund 15 Minuten über eine Holperpiste bis dann endlich etwas von Menschenhand geschaffenes erkennbar wird. Wir sind die einzigen Gäste und dürfen uns daher auch als Camper am Pool breit machen - das ist normalerweise nur den Lodge-Gästen vorbehalten. Klar, bei 165 im Vergleich zu 2700 ZAR pro Nacht darf ja schon eine gewisse Exklusivität zugestanden werden. Zudem liegt die Campsite ca. 7km von der Lodge entfernt, da geht man auch nicht einfach mal mit dem Tuch über die Schulter geworfen zum Pool.

Prima Pool in der Lodge von Rostock Ritz. Ganz für uns alleine.

Der Pool ist wohl einer der schönsten die wir je benutzen durften, leicht erhöht mit fantastischem Weitblick über die Wüstenlandschaft. Es luftet angenehm kühl und die rund 32 Grad im Schatten sind herrlich - vor einem Jahr seinen es 45° gewesen, in Sesriem sogar 50°! Ein Bijou - gut für uns sind wir alleine. Wir bekommen noch eine Tankladung Frischwasser und holpern dann zur Campsite. Ziemlich
cool, in the middle of no-where und ganz allein. Nur das Parken ist weniger einfach als mit unserem Toyota - die Betten im Dach sind in Längsrichtung, die "Notschlafstelle" ist quer zum Fahrzeug und der Kopf rechts. Bis da der Wagen eben genug und auch noch im Wind steht (den man nicht kennt) ist Präzisionsarbeit...

Campsite - auch diese ganz für uns alleine.

Es hat wieder Sand für unseren Sohn zum Spielen, kleine Wüstenmäuse zum beobachten, einen Sonnenuntergang für die Eltern, absolute Stille und ein unglaubliches Sternenpanorama für eine ruhige Nacht. Einfach Klasse!

 

Namib Wüste im Vollbrand! Die Abendsonne taucht das ganze Land in magisches Rot.

 

13.12.2017

Walvis Bay

Entgegen dem ursprünglichen Plan beschliessen wir keine zweite Nacht hier zu verbringen - die Sonne ist mörderisch und Schatten gibt es keinen. Zudem müssen wir unseren Jungen immer im Auge behalten denn unter jedem Stein den er wenden will könnte ein Skorpion sitzen. So richtig entspannt ist das dann nicht.

Trotzdem geniessen wir den Morgen in diesern wunderbaren Landschaft bis der Schattenwurf des Fahrzeugs sich langsam aber sicher unter dem Auto verkriecht und es unerträglich heiss wird. Ein besonderes Highlight ist die Dusche: Ein Holzfeuer erhitzt einen Wasserbehälter direkt über der Flamme und so gibt es nach ca. 15 - 20 Minuten ein angenehm warmes Wasser. Aus der Duschkabine geniesst
man trotz geschlossener Tür - sie ist reicht nur bis auf Höhe der Brust - die Aussicht über das Tal. Das ist echt unschlagbar! Das nächste Ziel ist Walvis Bay.

"Licking Toilets" - Kopfkino beginnt ...

Der Donkey, ein Feuerchen unter einem Boiler und nach 20min kann man angenehm Duschen.

Die Strecke ist eigentlich verhältnismässig kurz, ca. 200km sind zu bewältigen. Aber die Strasse hat es in sich. Grössere Streckenabschnitte sind Wellblechpiste und über den Gaub Pass hämmert die Strasse durch die Federn was das Zeug hält. Hier ist dann auch Schluss mit schlafen für unseren Sohn. Wir sind froh kann er noch nicht sprechen, sein Gesichtsausdruck lässt aber die eine oder andere Vermutung zu.

Landschaftlich ist diese Strecke sehr abwechslungsreich und die Fauna und Flora sieht immer wieder anders aus - bis sie eigentlich komplett verschwindet. Die letzten 80km ist Wüste, wie man es sich vorstellt. Was nicht heissen soll, dass es unattraktiv ist. Man gleitet mit 70-100km/h über die Pisten, lässt das Fahrwerk die Arbeit machen und geniesst die Eindrücke. Der letzte Drittel ist dann auch richtig trockene, karge Sandwüste - die Namibwüste.

Einer kleiner Pass unterwegs (Karpfenkliff - ohne Gewähr. Aber
wenn es miese Strasse ist, dann ist es da)

Über eine Anhöhe kommt man in die nächste Ebene, welche von einem Band
von Bäumen durchzogen ist.

Die Klimaanlage läuft mit allem was das nachteiliges mit sich bringt. Trockene Luft, kalte Luft... das kann ja nicht gesund sein. Die Überraschung ist dann gross als bei einer Pinkelpause herrlich kühle 21°C herrschen - das war echt witzig. Somit AC OFF.

Und dann kommt einem doch tatsächlich noch ein Radfahrer mit all seinem Tourengepäck entgegen. Weiss man nicht wie stark der Wille sein muss für so eine Übung würde man diesen Athleten für verrückt halten müssen. Wir haben für diese Passage rund 3h gebraucht - wie lange der wohl für dieselbe Strecke brauchen wird? Eindrücklich oder doch einfach nur verrückt?

Walvis Bay ist endlich da, nach den Sanddünen begrüsst einem erstmals eine hübsche grosse Shopping-Mal. Wir finden den Camping (Lagoon Chalets & Camping) ohne Probleme und freuen uns über einen sicheren Nachtplatz. Hier gibt es einen grossen Spielplatz und genau das hat sich unser Sohn verdient. Er ist dann auch so müde vom Herumtollen, dass er doch fast noch die erste Begegnung mit dem Ozean und den Flamingos verschlafen hätte. Zum Glück aber nur fast. Die Vögel mit den Steckenbeinen waren dann schon faszinierend für ihn. Man sollte sich die Küste hier aber nicht unbedingt wie Miami-Beach vorstellen. Obwohl Hauptreisezeit für Namibianer fühlt es sich für uns aber eher ruhig an.

Mit ihren schlaksigen Beinen stampfen die Flamingos Krustentiere aus dem Sand.

Wohl etwas misstrauisch...

Endlich ein Spielplatz!

Von hier aus könnte man rund 40km südlich halten... da muss es eine schöne Bucht mit vielen Vögeln geben. Die Strecke klingt vielversprechend: "Nur für erfahrene Sandfahrer" - entweder dem Beach entlang oder durch das Dünenfeld. Hach, das juckt. Aber wir haben wohl zuwenig Zeit und ohne zweites Fahrzeug könnte das rasch ein ziemlich anstrengendes Erlebnis werden, so lassen wir auch auf Rücksicht auf unser Kind den Nervenkitzel sein und nehmens gemütlich.

Der Camping verfügt über ein gutes Restaurant, so bestellen wir ein gutes Stück Fleisch. Wir warten eine geschlagene Stunde darauf und nur dank dem Spielplatz und dem unglaublich liebenswerten Pächter, ein echter Kindernarr, verzeihen wir der Küche. Es ist auch sehr gut, könnte Rang drei der Fleischküche sein.
Also nicht entmutigen lassen!

14./15.12.2017

Swakopmund

Nur 30km Teerstrasse stehen an. Ein kurzer Ritt nach Swakopmund. So schmücken wir den Weg aus damit unser Sohn länger im Auto schlafen kann. Beim Verlassen von Walvis Bay fahren wir wieder an den Flamingo und einer kleinen Truppe von Pelikanen vorbei. Wir kurven durch einige Wohnquartiere mit teilweise recht eigenartiger Architektur, hin zur Verbindungsstrasse gegen Norden. Aber defnitiv, hier zu wohnen scheint angebracht zu sein.

Auch Pelikane sind hier anzutreffen.


Das spezielle der Namib ist, dass der Pacific Ocean mehr oder weniger direkt auf den Sand der Wüste trifft, nur unterbrochen durch die Strasse. Links also die Brandung des Ozeans, rechts ordentlich hohe Sanddünen, die sich weit ins Landesinnere ziehen. Der Streifen Land zwischen Farbahn und Ufer wird fleissig bebaut und vermutlich ist in ein paar Jahren die ganze Strecke zwischen Swakopmund und Walvis Bay zugepflastert - mit allen Infrastrukturproblemen (z.B. Wasserversorgung), die das mit sich bringt.

Biegt man von der Teerstrasse ab erreicht man nach 200m das Ufer
des rauhen pazifischen Ozeans.

Schaut man in die andere Richtung erheben sich die Dünen der Namibwüste, die
sich noch weit bis ins Landesinnere ziehen.

Ein Checkpoint kontrolliert unsere Fahrzeugpapiere da der Toyota in Südafrika zugelassen ist, das geht aber nur zwei Minuten. Immer wieder kann man zum Meer abzweigen, im Sand zu fahren wie all die Einheimischen juckt. Aber die Befürchtung das Gesicht vor eben denen zu verlieren wenn man sich nach den ersten 10 Meter einsandet siegt dann über die Unvernunft und wir fahren weiter nach Norden. Weite Zonen sind geschützt vor dem Befahren mit jeglichen Fahrzeugen - das um die Brutgebiete der gefährteden Damara Seeschwalbe zu sichern. Aber wo es nicht geschützt ist, da tummeln sich Dünensurfer, Kiteschirmflieger und Quadfahrer. Übrigens die Küste ist kein Badeparadies. Das Wasser ist sehr frisch und die Strände reizen mehr für 4x4 Spass als Sonnenbaden.

In Swakopmund werden wir im Camping "Alte Brücke" erwartet. Wahrscheinlich der einzige Camping in Namibia der einen grünen Rasen als Stellfläche anbietet - nebst einer eigenen Duschkabine und Grillstelle. Eine kurze Erkundungsfahrt bringt uns an einen Hafen und da gibt es herrliche Calamares, Fish & Chips. Und Burger. Es ist eine fahrende Küche in einem gelben Bus und die verstehen ihr Handwerk. Die Menge von Gästen lässt klar diesen Schluss zu.

Clamping - anders lässt sich das nicht beschreiben: Eigenes Dusch- und
WC Häuschen grüner Rasen. Extraklasse und einmalig in Namibia. Bestimmt!

In dieser Stand fühlt man sich wie zu Kolonialzeiten der Deutschen - der Baustil ist sehr hübsch, die Häuser bestens gepflegt, vieles in Deutsch angeschrieben (Caffe Anton, nicht verpassen), die Coiffeuse spricht perfektes Deutsch, die Strassen sauber... und es hat sogar einen Weihnachtsmarkt! Und für alle die, die diese austauschbaren Christkindlmärkte gesehen haben, der hier ist wirklich anders. Auch statt bei -5°C im Menschenstrom gedrängt an den Ständen vorbeigeschoben zu werden kann man hier bei doch überraschend tiefen 16°C durch die Stände schlendern.

Ein Pier in den rauhen pazifischen Ozean hinaus...

... und in die andere Richtung geht's zum Christkindlmarkt.

Knusper, knusper Knäuschen, ...

Eines muss hier doch einmal noch angemerkt werden: Das Land ist grundsätzlich sehr sauber, Swakopmund vielleicht noch mehr aber generell sind die Strassen ordentlich gepflegt und man sieht kaum Müll herumliegen. Es fällt eingem eigentlich wenig auf, weil man es sich ja so gewohnt ist.
Aber auf das Thema angesprochen fällt es dann doch sehr deutlich auf.

Danach folgt die Einkaufstour: Super Spar, Cmot (weils so schön ist), Kleidergeschäft (man finde einen langärmeliges shirt für ein 18monatiges Kind, Trocknwürste kaufen, Kaffee Anton (Konfisserie wie daheim), SIM Guthaben kaufen (20 NAD, davon 6-7 noch Tax = Restguthaben ca. 1 CHF)... Und zu guter Letzt noch Coiffure für Mama und Sohn sowie einen Bart-Trimm für Papa.

Ein Campsite-Nachbar hat noch auf eine besondere Werkstatt hingewiesen und uns auch gleich dahin gebracht: Ein Shop für Lederwaren (African Leather Creation CC, 22 Rakotoka Street)! Von Zebrafellen über allerlei handgefertigte Souvenirs bis hin zu einer grossen Auswahl von Schuhen, die gleich im anschliessenden Gebäude hergestellt werden. Die Zebrafell-Schuhe sehen besonderes cool aus, nur ob das an der Grenze so gern gesehen ist? Das Experiment lassen wir bleiben. Aber die Kudu-Schuhe für Kinder sind so süs dass wir gerade drei Paar mit aufsteigender Grösse kaufen.
Auch die kurze Besichtigung der Schuhwerkstatt ist spannend. Natürlich wird alles von Hand zugeschnitten, genäht, geklebt... like in old times.

Kuduleder nach Schablone zuschneiden...

... nähen...

...und schon ist zu erkennen, was das werden soll.

Etwas Klebe drauf...

... und so sieht das fertige Stück aus. Fancy!

Abendessen gibts im Restaurant "The Tug", einem grossen Fischkutter nachempfundenen Restaurant mit sehr guter Fischküche. Catch of the day war ... ein Fisch, eine Flasche Wein mit unseren deutschen Reisegefährten und viel Action dank unserem Sohn - ein gelungener Abend. Kein Wunder ist das "the place to be" im Weihnachtsurlaub. Der einzige Ort, wo wirklich alles ausgebucht und selbst Restaurants im Voraus reserviert werden sollten.

 

16.12.2017

Cape Cross

 

Wichtigste Aufgabe für heute: Wäsche abholen und durchzählen. Wollen doch keine warmen Pullover hier lassen. Gemütlich frühstücken und dann ist noch etwas Fun für die kleinen - und grossen Kinder angesagt. Für die Kleinen gibts eine riesige Indoor-Spielanlage (mit 50m langen Rutschen, Pools mit bunten Bällen, Karussels, etc. Für die Grossen die grosse Outdooranlage mit ein paar hundert Quadratkilometer Sand. Ideal für Quads. 90 Minuten und einen heftigen Sonnenbrand auf dem Handrücken später sind gross und klein erschöpft.

Riesiger Indoor Spielplatz - Spass bis zum Umfallen!

So ein Quad ist schon etwas wendiger auf Sand, echt vergnügliche Sache. Und dann noch die "Abfahrt" mit dem "Sandboard" - man sollte das Vergnügen einfach nicht laut herausbrüllen sonst schluckt man Sand. Man legt sich bäuchlings aufs Brett und fegt die Düne herunter.

Traumhaftes Panorama (Grossformat)

Man nehme dünne Holzplatte, lege sich bäuchlings drauf und gleite eine steile Düne herunter.
So macht man "Sandboarding" auf die pragmatische Art.

Danach ist fertig lustig und wir fahren in Richtung Mond - zumindest lässt uns die Landschaft so fühlen. Ein grauer Himmerl, trostlose Wüste, Minen in der Ferne. Wir sind unterwegs nach Cape Cross, viel weiter kommt man ohne Permit nicht mehr. Die gleichnamige Lodge mit dem Campingplatz davor
ist das Einzige, was es hier gibt. Überall sind mächtige Knochen drapiert - der Schädel eines Blauwals sowie ein paar Wirbelkörper der Wirbelsäule sind an der Wand aufgehängt. Oder stützen sie vielleicht das Gebäude? Durchaus vorstellbar. Eindrückliche Dimensionen - selbsterklärend, wir sind an der Skelleton Coast. Hier wurden früher die Wale ausgenommen und der Strand muss mit unzähligen Skeletten übersät gewesen sein. Offenbar hatten auch so einige Seefahrer Pech gehabt und den
Kahn in den Sand gesetzt. Davon zeugen weiter nördlich diverse Wracks. Wie dumm nur, man überlebt und muss erstmal noch ein paar hundert Kilometer Sandwüste hinter sich bringen für das nächste kühle Bier. Geht in die Kategorie "Bad Hair Day".

Ein Schädel und Wirbelkörper eines Blauwals...

Eigentliches Ausflugsziel für uns: Das Reservat für Seehunde. Tausende davon und genau in den letzten zwei Wochen kamen all die Jungen zur Welt. Ebenfalls tausende. Mit dem Auto fährt man Richtung der Kolonie und wundert sich über die schwarzen Fellbündel überall unterwegs. Das sind die ersten Kadaver die von Kojoten oder anderen Jägern zum Verzehr weggeschleppt wurden. Und an der Küste treffen wir auf ein Massaker - ehrlich gesagt etwas unvorbereitet. Wir haben noch nie soviele Kadaver auf einem Haufen gesehen. Wenn die Mütter ins Wasser gehen um zu futtern finden viele ihrer Kids nicht mehr, die Kleinen werden in der Zwischenzeit von den scheinbar plumpen Männchen platt gewalzt oder ganz einfach so Beute der Jäger aus der Luft oder am Boden. Sehr viele Jungtiere fallen der Natur hier zum Opfer - aber das ist normal und muss so sein. Aber dafür sind dann die Zärtlichkeiten zwischen Mama und Kind umso schöner, wenn sich dann doch welche wieder finden. Das mag dann doch auch noch vom heftigen Gestank ablenken. Uff, heftig! Gut bläst der Wind vom Camp weg.

What's up?


Family reunion...

... und glückliches Familienleben!

Aber es unschwer zu erraten, dass bei derart vielen Jungtieren viele Ihre Mutter
nicht mehr finden oder sonst zu einer leichten Beute werden.

Das wiederum ist ein "gefundenes Fressen" für alle Arten von Jägern. Die Möve labt
sich gerade an Eingeweiden... ein gnadenloses Massaker!

Ausflugsziel für alle anderen? Hm, den Unmengen von Angelruten nach zu urteilen muss man hier fischen. Was sonst könnte man hier auch machen? Ein Strandtuch zwischen all den Kadavern die das Meer anspült auszubreiten ist wenig prickelnd. Viele kommen mit mehreren 90l Kühlschränken auf dem Pickup und Fischen was der Pazifik hergibt. Und das ist reichhaltig. Oder war zumindest mal. Offenbar sind die Chinesischen Fangflotten deutlich erfolgreicher und leeren das Meer, die Population ist deutlich dezimiert. Neue Fanggesetze limittieren zumindest vom Land aus die Fänge erheblich. Trotzdem, es scheint sich zu lohnen und Spass zu machen - und wirklich JEDER Offroader hat ein oder mehrere Racks für Angelruten, oder sogar einen eigenen Trailer dafür. Passionate!

Seht her: Ein eigener Trailer für die Angelruten und Zubehör - man staune!


17.12.2017

Spitzkoppe

Auch wenn eine Dusche generell überbewertet wird - schön ist es halt trotzdem wenn man eine bekommt. Danach geht doch einfach vieles besser von der Hand.

Eine Begegnung mit einem Motorradreisenden stellt sich als eine spannendes Treffen heraus - er hatte nur trockene Kelloggs dabei, sonst nichts und da luden wir ihn auf eine Tasse Kaffe, Schale mit Milch zu seinen Kellogs und einem Stuhl ein. Schlussendlich sassen wir 2 Stunden mit ihm da und haben uns über Reisen, Beruf und die Robben unterhalten. Er ist Procurement Consultant und arbeitet im Moment für Glaxo - und daher gab es auch ein durchaus fachlich interessantes Gespräch.
Zum Reisen hatte er zwei gute Faustregeln, die denke ich auch aus unserer Erfahrung Sinn machen:

1. Gehe auf die Leute zu und ergreife die Initiative. Solange Du der bist, der den Kontakt aufbaut ist die Wahrscheinlichkeit klein, dass der andere was Böses im Schilde führen kann.

2. Wenn Frauen und Kinder auf der Strasse sind, ist es generell eher sicher

Der Weg führt uns wieder rund 50 km auf der gleichen Strasse zurück, wir machen aber noch einen kleinen Abstecher an die Küste um zu sehen, wo die denn alle Angeln. Tatsächlich, der ganze Beach ist gleichmässig besetzt mit Offroadfahrzeugen und deren Besitzer, die die Angeln auswerfen. Es ist übrigens ein Phönomen hier, dass ALLE Trucks mindestens vier Angelruten senkrecht vor dem Kühler in speziellen Halterungen stecken haben. Und die Ruten sind keine Teleskopruten sondern 3-5m lang. Gut gibt es hier keine Leitungen oder Strassenampeln...

Selbst ein popeliger Suzuki fährt mit Bullbar und Fishing Rod Racks herum.
Allerdings nicht unpraktisch die 4-5m langen Ruten zu transportieren.

Es juckt eine Strandfahrt zu wagen, aber mit der hecklastigen Kiste ist die Wahrscheinlichkeit sehr gross, sich tief fest zu setzen und das würde einfach zu viel Zeit kosten. Also wenden und zurück auf die Hauptpiste.

Fishers Paradise - oder vielleicht auch ein bisschen Offroaders Paradise?
Hier gehen sie also alle hin mit ihrem Fishing-Gear!

In Henties Bay, dem Ausgangspunkt für viele der Fischer betanken wir unseren Hilux randvoll und direkt daneben hat es einen Coffeeshop. Nichts wie hin und gleich Mittagspause machen, so schaffen wir den Rhytmus unseres Sohnes einigermassen. Während wir so dasitzen fällt vorallem eines auf: Servicepersonal, Tankwarte, WC-Reinigungscrew, Car-Wash People und Shopangestellte sind dunkelhäutig, die schönen Trucks die betankt, gewaschen und gewienert werden sowie die Gäste im Restaurant sind weiss. Auch das Fischen ist primär Sache der Weissen. Auch die ärmsten Menschen am Strassenrand oder in den Blechverschlägen sind ausnahmslos schwarz. Es ist offensichtlich, dass das Gefälle sehr gross ist und daher auch die neueste Entwicklung in Südafrika, offene Stellen primär mit Schwarzen besetzen zu müssen ein Zeichen dafür sind, dass die Spannungen gross sind.

Pit-Stop in Henties Bay. Nach Betanken des Hilux muss noch diese einladende
Werbung auf Korrektheit überprüft werden. Kaffee war sehr gut!

Und TAB, die namibische Cola wurde vom Vorkoster mit
skeptischen Blick geprüft mit Prädikat "empfehlenswert" ausgezeichnet.

Im rechten Winkel stechen wir jetzt ins Landesinnere, der Wärme entgegen. Schnell sind die 18° C über 30° C gewichen und die Sonne brät wieder gnadenlos vom Himmel. Die Piste nimmt uns hart dran, besonders unseren Kleinen der eigentlich überreif für einen Mittagsschlaf wäre. Aber wenn selbst anhalten nicht die nötige Ruhe bringt, dann wird es die Zeit richten - und sie tat es dann auch. 15min später ist er in seinem Traumland und wir in unserem. Eine wie immer sehr karge aber schöne Landschaft zieht an uns vorbei, die Spitzkoppen ragen langsam aber sicher aus der Ebene heraus und damit rückt auch das Ziel des Tages näher.

Finally, Spitzkoppe in Sicht!

Genau hinschauen - ATW (gelbes Kamel) war auch schon hier.

Das Camp ist prima! Die Plätze sind rund um den Fuss des Berges angesiedelt und weit voneinander enttfernt. Zudem sind nur eine Hand voll Fahrzeuge da, also wieder einmal ein Plätzchen nach unserem Geschmack. Feuerholz gibts zu kaufen, eine Feuerstelle ist vorhanden und so brutzeln wir uns was hübsches über dem Feuer. Das wohlverdiente neue Spielzeug für unseren Sohn, ein geschnitztes Zebra ist schon nach kurzer Zeit um ein Ohr und drei Beine ärmer, da helfen auch Pflaster nur bedingt. Das Holz ist einfach wenig robust. Oder nicht so robust wie das Feuerholz, welches eine hervorrangende Glut ergibt und nur langsam verbrennt.

Basic Cooking.

"Home is where your car is parked"

Campsite à la Spitzkoppe. Nächster besetzter Platz 10min Fahrzeit. Dusche dito.



Die Abendsonne taucht das Land in Feuer bevor es dunkel wird, ein prächtiges Schauspiel!

18.12.2017

Brandberg

White Lady Lodge

 

19.12.2017

Brandberg

White Lady Lodge

 

 

20.12.2017

Mowani Mountain Camp

 

 

21.12.2017

Grootberg Pass

Hoada Camp

 

22.12.2017

Etosha Park

Dolomite Camp

 

23.12.2017

Etosha

Olifantsrus Camping

 

24.12.2017

Etosha

Okaukuejo

 

25.12.2017

Okaukuejo

 

26.12.2016

Frans Indigo Lodge

 

29.12.2017

Ausreise

Windhoek